Das Dorf Bellersen wird wahrscheinlich um 800 gegründet.
Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung Bellersens
stammt aus dem Jahre 1015. Darin ist von Einkünften der Kirche
in der villa Baldereshusun die Rede. Das Dorf ist damit einer der ältesten
urkundlich bezeugten Kirchorte des Bistums Paderborn.
Der Name des Dorfes entwickelt sich in folgender Reihe:
Baldereshusun (1015), Balderinchuson (11, Jahrhundert), Belderinchuson (1155),
Beldersen oder Belderssen (13. bis 15, Jahrhundert), Bellerßen und Bellersen
(ab dem 16. Jahrhundert).
Im 12. Jahrhundert besitzt das Kloster Corvey in Bellersen einen
Haupthof (curia), zu dem weitere abgabepflichtige Bauernhöfe
gehören.
Die Pfarreinteilung von 1231 zeigt, daß Bellersen mit
der Pfarrkirche der Mittelpunkt eines Kirchspiels ist.
Im Verlauf des 14. Jahrhunderts bringen die Herren von der Lippe
das Dorf an sich.
Am 1. Mai 1394 versetzen sie Bellersen an die Herren von Oeynhausen
auf der Oldenburg, in deren Besitz es zunächst verbleibt.
Am Sonntag Laetare des Jahres 1480 verkaufen die von Oeynhausen
das ganze Dorf Bellersen einschließlich der Bewohner und
der Gemarkung an Gottschalk von Haxthausen auf Abbenburg.
Bis in das 19. Jahrhundert hinein sind seitdem die Freiherren
von Haxthausen die Grund-, Gerichts- und Patronatsherren des
Dorfes.
Elmerhaus von Haxthausen gründet 1574 als Schutz- und Polizeitruppe
die heute noch bestehende Schützengesellschaft.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) wird auch
Bellersen stark heimgesucht. Viele Einwohner kommen um oder verlassen
das Dorf. Noch Jahrzehnte später sind zahlreiche Bauernhöfe
verwaist.
1746 beginnt der Neubau der Kirche, die die heutige barocke
Gestalt erhält.
Am 28. Juni 1794 bricht gegen 13 Uhr in einem Haus nahe der
Kirche ein Brand aus, der schließlich innerhalb des frühen
Nachmittags 65 Häuser einäschert und damit fast das
ganze Dorf vernichtet. Mit dem Brand beginnt für Bellersen
eine Jahrzehnte währende Notzeit.
Am 18. September 1806 wird auf dem Friedhof an der Kirche der
1764 in Bellersen geborene Bettler Hermann Georg Winkelhan beerdigt.
Seine Lebensgeschichte regt später Annette von Droste-Hülshoff
an, ihre Meisternovelle Die Judenbuche zu schreiben.
1808 wird die Patrimonialgerichtsbarkeit der Freiherren von
Haxthausen abgeschafft.
Um
1830 kauft der Graf von Bocholtz-Asseburg die Bellerser Ländereien
im Bereich Albrock auf. Von ursprünglich ca. 2.750 Morgen
landwirtschaftlicher Nutzfläche gehen damit ungefähr
850 Morgen verloren.
1845 lösen die Bauern ihre Verpflichtung ab, an die Freiherren
von Haxthausen Abgaben zu leisten.
1848 erlischt das Hütungsrecht der Bellerser in den von
Haxthausen'schen Forsten.
In den 1880er Jahren werden im Rahmen der Separation u.a.eine grundlegende
Flurbereinigung durchgeführt und die Feldmark durch planmäßig
angelegte Wege erschlossen.
1892 werden die ersten Bäume der Obstbaumpflanzung auf dem Schmandberg
gesetzt.
1895 werden die Flößanlagen im Bruchttal gebaut.
In den 1860er Jahren wird die Brakel-Schwalenberger Straße
gebaut. Dadurch wird die Fernstraße durch den Blinden Weg
(vormalige Paderborner Landstraße Nr. 14) aufgegeben.
1878 wird die Schule westlich der Kirche auf die heutige Größe
ausgebaut.
1898 erhält Bellersen eine Postagentur. 1924 wird das Dorf
an das Elektrizitätsnetz angeschlossen.
1952
erhält die Gemeinde Bellersen sein Wappen von der Regierung
des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Wappen zeigt im goldenen
Feld ein schwarzes Hirschgeweih mit weißem Grind (Kopf),
zwischen dem Geweih eine schwebende blaue Glocke. Hirsch(geweih)
und Glocke sind Attribute des Kirchenpatrons St.Meinolfus.
1954 wird die Wasserleitung in Betrieb genommen.
Im Januar 1956 ziehen die Schüler in den Schulneubau nördlich
der Kirche ein.
1968 wird die Bellerser Schule geschlossen. Die Schüler
besuchen ab jetzt die Schulen in Bökendorf und Brakel.
Mit dem 31. Dezember 1969 verliert Bellersen durch die Gebietsreform
die politische Selbständigkeit.
Ab dem 1. Januar 1970 ist das Dorf Teil der Stadt Brakel.
1975 wird die Gemeindehalle (heute Meinolfushalle) eingeweiht.
Die 1857 angelegte Grundstraße wird 1976 großzügig
zur Ostwestfalenstraße (ab 1996 Bundesstraße 252)
ausgebaut.
1980 wird die Meinolfusstraße verbreitert und mit Bürgersteigen
versehen Im Kirchenbereich müssen dafür drei Häuser
weichen.
1992 wird Bellersen zusammen mit Vörden zu Tourismus-Musterdörfern
des Landes Nordrhein-Westfalen gewält.
In den Jahren 1993 bis 1996 werden zahlreiche Maßnahmen
zur Förderung des Fremdenverkehrs durchgeführt (Dorfbildverbesserung,
Werkhaus, Wohnmobilhafen, Urdorf-Ausstellung, Weg zur Erfahrung
der Sinne, Agrarhistorischer Rundwanderweg, Dorfteich, Ferienhausanlage
Natur pur, Annette-von-Droste-Hülshoff- Wanderweg, Informationszentrum
u.a.).
1995 wird die Poststelle Bellersen ersatzlos geschlossen.
Im Dezember 1998 ziehen im Rahmen eines wissenschaftlichen Forschungsprojektes
Düppeler Weideschweine in das Bruchttal ein.
1999 wird Bellersen „Staatlich anerkannter Erholungsort“.
Im Herbst 1999 wird eine Obstbrennerei in Betrieb genommen, in
der das Obst der Streuobstwiese auf dem Schmandberg zu Obstbrand
verarbeitet wird.
Beim Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden
- Unser Dorf hat Zukunft“ 2000 erringt Bellersen eine Silbermedaille.
2000 ist Bellersen Teil des Projektes „Dorf der Zukunft“ der
EXPO-Initiative OstWestfalenLippe anläßlich der Weltausstellung
EXPO 2000 in Hannover.
Beim Landeswettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden
- Unser Dorf hat Zukunft“ 2003 erringt Bellersen die
Goldmedaille.
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