| Im März 1992 begann die Deutsche Bundesbank
mit der Ausgabe neuer Zwanzigmarkscheine. Sie zeigen auf der Vorderseite
ein Porträt der westfälischen Dichterin Annette von Droste-Hülshoff
sowie einen Lorbeerzweig und Gebäude in Meersburg am Bodensee,
wo die Droste 1848 starb. Auf der Rückseite des Geldscheines
symbolisieren eine Schreibfeder, ein aufgeschlagenes Buch und vor
allem eine mächtige Buche das bekannteste und wichtigste Werk
der Dichterin: die Novelle "Die Judenbuche".
Die "Judenbuche" spielt in Bellersen, jenem "Dorfe
B.", das nach den Worten der Droste am Beginn der Novelle "so
schlecht gebaut und rauchig es sein mag, doch das Auge jedes
Reisenden fesselt durch die überaus malerische Schönheit
seiner Lage in der grünen Waldschlucht eines bedeutenden
und geschichtlich merkwürdigen Gebirges".
Diese Schilderung gilt immer noch. Bellersen ist heute eine Ortschaft
der Stadt Brakel. Annette von Droste-Hülshoff wurde 1797
auf der Wasserburg Hülshoff bei Münster geboren. Ihre
Mutter war eine geborene von Haxthausen, die aus dem Gut Bökerhof
in Bökendorf, dem Nachbarort von Bellersen, stammte. Mehrmals
zwischen 1805 und 1820 besuchte Annette ihren Großvater
Werner Adolf von Haxthausen und ihre Stiefgroßmutter Marianne
(die leibliche Großmutter war im Alter von 18 J ahren gestorben)
auf dem Bökerhof. Durch die Familie von Haxthausen und insbesondere
August von Haxthausen kam sie auch mit den - auf dem Tausendmarkschein
abgebildeten - Brüdern Grimm in Kontakt, die wie sie zu
dem später so bezeichneten " Bökendorfer Romantikerkreis" gerechnet
werden. Der Bökerhof beherbergt jetzt ein diesem Literatenkreis
gewidmetes Museum.
Zwischen 1837 und 1845 verbrachte die Droste mehrfach den Sommer
auf der nahe bei Bellersen gelegenen Abbenburg bei ihrem Onkel
Fritz von Haxthausen. Da Abbenburg und Bökendorf zur Kirchengemeinde
Bellersen gehören, besuchte die Droste dort regelmäßig
den Gottesdienst. Alle ge-nannten Mitglieder der Familie von
Haxthausen haben ihre letzte Ruhe an der Bellerser Kirche gefunden.
Hier liegt auch Hermann Georg Winkelhan begraben, der die historische
Person hinter dem Friedrich Mergel der "Judenbuche" ist.
Bei ihren Aufenthalten auf dem Bökerhof lernte die Droste
die wahre Geschichte des Bauernsohnes Hermann Georg Winkelhan
aus Bellersen kennen, der im Februar 1783 auf einem einsamen
Waldweg den jüdischen Händler Soistmann Berend aus
Ovenhausen erschlug. Der Mörder konnte fliehen und geriet
schließlich in Nordafrika in die Sklaverei. Durch glückliche
Umstände wurde er freigekauft und kehrte im Frühjahr
1806 in seinen Heimatort zurück. Im Herbst des Jahres erhängte
er sich in einem Wäldchen bei Bellersen. Angeregt durch
das Schicksal Winkelhans schuf Annette von Droste-Hülshoff
ihre zuerst 1842 erschienene Meisternovelle "Die Judenbuche",
die allerdings kein strenger Tatsachenbericht, sondern ein eigenständiges
literarisches Werk ist.
In den Brakeler Ortsteilen Abbenburg, Bellersen und Bökendorf
sind die Stätten zu besichtigen, die mit dem Leben und dem
Werk der Droste verbunden sind. Auch die Örtlichkeiten der
historischen Geschichte hinter der ,,Judenbuche" lassen
sich finden und besuchen. Vieles hat sich seit den Tagen, da
die Dichterin hier wanderte, kaum verändert. |